Prozess
Jede Kreation beginnt lange vor dem ersten Leder-Schnitt. Sie beginnt stets mit ein paar einfachen Gedanken: Was will ich? Was brauche ich? Warum bin ich mit meiner aktuellen Tasche (auch wenn ich sie selbst gebaut habe) nicht zufrieden? Was kann ich tun, um sie besser zu machen? Und genauso fliessen auch Rückmeldungen von Kundinnen und meinen Beta-Tester*innen in jedes neue Design ein, sodass jedes Produkt im echten Alltag erprobt und kontinuierlich verfeinert wird.
Inspiration kann überall zuschlagen – von einem entspannten Bad in der Badewanne an einem kalten Winterabend bis hin zu einem Spaziergang durch die Schweizer Landschaft. Mit der ARIA-Methode (Awareness, Reflection, Insight, and Action – Bewusstsein, Reflexion, Einsicht und Aktion) halte ich diese Ideen schnell fest, bevor sie verblassen. Von dort aus gehe ich zu groben Skizzen über – oft unordentlich, sogar chaotisch, aber entscheidend für das Eruieren von Möglichkeiten. Einige Skizzen werden für später beiseitegelegt; andere werden zum Keim einer neuen Idee. Ich liebe Freitagmorgen, da sie speziell dafür reserviert sind, ausstehende Projekte und „technische Spikes“ abzuschliessen und einfach neue Ideen auszuprobieren.
Kalkulation für den Maison S. Poursin Serrure État-Major.
Die nächste Phase ist spielerisch-praktisch: Ich falte und schneide Papier-Prototypen (rapid prototyping), um Formen und Funktionen zu testen. Mein Mann und ich halten "Ideen-Sitzungen" ab, in denen wir das Design infrage stellen, verfeinern, neu berechnen und manchmal komplett überdenken. Mein Mann ist einem technischen Beruf tätig, also trägt er wertvolle und sehr geschätzte Ideen und Lösungen bei. Sobald wir Potenzial sehen, übertrage ich das Konzept in Lightburn, wo die ersten digitalen Umrisse entstehen. Es folgt ein Prototyp aus Pappe, der es uns ermöglicht, Passform, Grösse und Proportionen zu überprüfen. Wir wiederholen diesen Zyklus – skizzieren, testen, diskutieren, verfeinern – bis sich das Design richtig anfühlt.
Wenn die Idee stark genug ist, konstruiere ich das erste Stoff-Mock-up. Beschläge werden angebracht, und ich behandle es, als wäre es das Original, und nehme kleinere Korrekturen an der Passform vor.
Dann kommt der erste Leder-Prototyp. In dieser Phase dreht sich alles um Realismus: die Erprobung von Haltbarkeit, Funktion und Ästhetik. Jeder Prototyp wird zuerst von mir getestet, dann wird er einem Beta-Test unterzogen, und Feedback spielt eine Schlüsselrolle bei der Verfeinerung. Erst nach mehreren Iterationen, Anpassungen und gemeinsamen Anstrengungen verdient ein Design seinen Platz in der finalen Kollektion.
Sobald das Design fertig ist, wird das Material selbst zum Protagonisten. Ich arbeite mit sorgfältig ausgewählten Ledern – von pflanzlich gegerbten Häuten bis hin zu europäischem „Dead Stock“, das von denselben Lieferanten bezogen wird wie Haute-Couture-Häuser. Nichts wird verschwendet, und die natürlichen Narben und Spuren jeder Haut werden als Teil ihrer Geschichte angenommen.
Mithilfe von Laser-Technologie schneide oder markiere ich jedes Stück präzise und gewährleiste saubere Linien und minimale Verschwendung. Aber Technologie ist nur der Anfang: Der Zusammenbau erfolgt vollständig von Hand. Ich veredle die Kanten von Hand, nähe mit einem traditionellen Sattlerstich und trage Finishes auf, die Stärke und Schönheit verleihen.
Für die Beschläge wähle ich Edelstahl, massives Messing und manchmal Zink-Legierung. In sehr begrenztem Umfang verwende ich auch massives Messing mit einem feinen Gold-Finish und sogar Palladium-Beschläge, die nur in den exklusivsten Taschen zu finden sind. Diese Materialien sind nicht nur schön, sondern auch langlebig.
Jedes fertige Produkt trägt Spuren seiner Vergangenheit: das Leben der Haut, der Zyklus des Designs und die der Herstellung und schliesslich Ihre eigene Geschichte. Im Laufe der Zeit entwickelt das Leder eine Patina, die durch die Art und Weise, wie Sie es verwenden, geformt wird.
Innenansicht von der Lunch Tasche. Ich fand die Idee von der Umnutzung eines alten Militärzelts reizend, aber ich wollte es diskret machen. Im Einklang mit meinen Leitprinzipien und meinem Konzept von "Art Inside", habe ich ich die Tarnfarbe auf der Innenseite benutzt.
Ich hatte zu viel Spass bei der Anfertigung und es ist ein bisschen zu Feminin für einen Mann, aber ich finde sie gelungen.
Diese Tasche ist immer noch im Prototyp Stadion. Ich wollte eine "gäbigi" Tasche entwerfen, die als Schultertasche oder Crossbody getragen werden kann. Die Idee gefällt mir, aber sie ist immer noch zu rustikal für meinen Geschmack.
Die "Vreni" Teile sind bereit für die nächsten Schritte.
Kantenfarbe ist immer eine Herausforderung, besonders wenn man mit verschiedenen Materialien arbeitet. Leider sieht man die feinen Farbunterschiede auf dem Foto nicht. Schlussendlich hat es doch noch geklappt und mein Pink bekam endlich seinen Pep.
Was Sie hier sehen, ist eine sehr alte Ausführung der Kübeltasche. Es ist eine unraffinierte Version des zum Verkauf stehenden Bucket. Gefertigt aus einem "klassischen Vachetta"-Leder, ohne Futter und mit Beschlägen aus massivem Messing. Mit der Zeit entwickelte das Leder eine tiefere Farbe und die Beschläge verloren ihren intensiven Glanz. Die Kaffee- und Wasserflecken sind Zeugen meines „schlechten Benehmens“ und werden im Laufe der Zeit in das Leder einziehen und verblassen. Sie ist handgenäht mit einer 1 mm Polyesterkordel von Linhasita.
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